Bilder und Stile eines Künstlers

Hansjörg Flückiger über die Malerei

"Nach dem Schulabschluss beschäftigte ich mich in der Freizeit mit Malen, bis die Malerei schliesslich zu meinem Beruf - und meiner Berufung wurde. Die Malerei - und alles, was mit der Bildenden Kunst zusammenhängt - füllt mich nun auch noch im fortgeschrittenen Alter aus. Über all die Jahrzehnte blieben die von mir dargestellten Objekte in der Malerei, Lithografie und Radierung gegenständlich. Mit dem Gegenstand will ich eine spezifische Wirkung erzielen. Er dient mir oft zur Suggestion. Mischt er sich unter andere Gegenstände oder verbindet er sich mit ihnen, ist er plötzlich skurril, humorvoll oder surreal. Landet nicht ein Mensch, sondern ein Kalb auf dem Mond, wird es zum Mondkalb.

 

Vieles, was der Mensch zu Gesicht bekommt, sieht ähnlich aus, sei es auf dem Erdboden, in der Luft, über Wasser, unter Wasser oder gar ausserirdisch. Betrachten wir Beispiele mit Schmetterlingsflügeln: Baue ich mehrere Flügel zusammen, entstehen aus diesen Verbindungen andere Figuren, neuartige Gebilde, ein neuer Zusammenhang. Kombiniert man zwei Flügel, beide um 180° gedreht, ergibt sich daraus eine Muschel, die - wenn ich wollte - auch fliegen könnte. Nun liegt sie aber zum Beispiel auf einem Untergrund, der einem Meeresboden gleicht.

 

Ein Bild reflektiert auch die Seelenstruktur des Malers oder der Malerin. Inneres und Äusseres müssen sich zu einer Einheit verbinden. Im Werk erscheinen die geistigen Dimensionen, die dunkle Tiefe und die Strahlkraft des Lichts - sonst aber bleibt die Farbe an der Oberfläche hängen...

Natürlich weiss ich, dass die Kunst der heutigen Zeit sich in allen Facetten zeigt. In diesem Dschungel der Bildenden Kunst müssen die Kunstbetrachtenden sich zurechtfinden und ihre Zuneigung und ihre Vorlieben entdecken. Vielleicht suchen sie nach Formen und Farben, die ihnen entsprechen und gefallen, nach Gegenständen, die auf sie wirken, nach Objekten, die ihnen einen Sinn vermitteln, nach irgendetwas, das ihre Seele mitschwingen lässt.

 

2012 plante ich eine dreimonatige Malerreise. In Ostungarn angekommen, suchte ich vergebens nach Malmotiven. Die Landschaften vermittelten mir zu wenig Inspirationen. So fing ich an, innere Bilder auf die Leinwand zu bringen. Dies veränderte meine Malweise drastisch. Nicht mehr optische, sondern innere Sujets entstanden auf der Bildfläche. Ebenfalls verschiedene Materialien und Farbarten verbinden sich heute zu einander. Eine Malerei ist entstanden, die den halluzinatorischen Fähigkeiten des Geistes mehr Freiraum zugestehen.

 

Ein Bild zu malen ist bei mir ein längerer Prozess, und es dauert eine Weile bis wir im Einklang sind.

Mit dem Dargestellten versuche ich, etwas Licht und Freude in den Alltag zu bringen. So möchte ich denn auch zum Betrachter, der die Bilder mag, eine Verbindung und eine Brücke schlagen."